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Sehr geehrte Damen und Herren, im Folgenden übermitteln wir Ihnen
eine Presseerklärung der aramäisch-assyrischen Christen:
Presseerklärung
90. Jahrestag des Völkermordes Sayfo („Schwert“) an die Aramäer
„Auch wir Aramäer wurden ermordet.“
Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf.
Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher. (Berthold
Brecht)
In der aramäischen Sprache und Literatur wird der Völkermord von
1914/15 „Sayfo" (=Schwert) genannt. Über die aramäischen
syrisch-orthodoxen Christen hat es in der Geschichte zwar viele
solche Beispiele gegeben, doch die schrecklichsten Jahre waren die
des „Seyfo von 1914/15". In diesen Jahren fand das erste Massaker
des 20. Jahrhunderts durch die Jungtürken (Jöntürkler),
paramilitärische kurdischen Einheiten und aufgestachelte Islamisten
an den christlichen Völkern statt, darunter auch die Aramäer
Mesopotamiens (Anhänger der Syrisch-Orthodoxen,
Syrisch-Katholischen, Syrisch-Protestantischen,
Syrisch-Chaldäischen und der Ostsyrisch-Nestorianischen Kirche, die
sich neuerdings Assyrische Kirche nennen).
Innerhalb weniger Wochen wurde der systematische Mordplan zur
Vernichtung aller Christen im Osmanischen Reich vorbereitet.
Christliche Intellektuelle, Kirchenoberhäupter, Patriarchen,
Bischöfe, Priester wurden festgenommen, gefoltert und bestialisch
ermordet. Das übrige Volk wurde auf unmenschlicher Weise ausgezogen,
gesteinigt, drangsaliert und bei lebendigem Leibe enthauptet und wie
Vieh geschlachtet. In einem Telegraf des damaligen Gouverneurs von
Diyarbakir an Talaat Pasha heißt es, dass die aufgestachelte
islamische Bevölkerung nachtsüber 700 Christen außerhalb der Stadt
geführt und wie Schafe enthauptet hat.
Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, zwangsverheiratet oder als
Sklaven verkauft bzw. zwangsislamisiert. Wiederum andere wurden in
die Nachbarländer durch die Wüste und unwegsame Berge und Straßen
getrieben. Viele Kirchen und Klöster, aber auch ganze Dörfer wurden
in Brand gesteckt und dem Erdboden gleichgemacht.
Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung vor dem Völkermord
von 1915 betrug rund 33%, bis 1924 wurden drei Viertel von ihnen
durch Massenmorde und Vertreibung vernichtet. Der Anteil der
Christen an der Gesamtbevölkerung liegt derzeit unter 0,1%.
Bei diesem schrecklichen Völkermord haben auf aramäischer Seite rund
500.000 und auf armenischer Seite 1,5 Millionen Menschen ihr Leben
verloren, so dass heute in der Südosttürkei nur noch ca. 3.000 (!)
Aramäer verblieben sind. Auch nach dem ersten Weltkrieg wurden
mehrere Zehntausend Menschen verschleppt und in Deportationslagern
gebracht. Den verbliebenen Christen wurden hohe Steuern auferlegt,
um ihnen weiterhin jegliche Existenzgrundlagen zu nehmen. Tausende
Aramäer mussten aus ihrer Heimat flüchten, um sich in Sicherheit zu
bringen. Heute leben sie verstreut auf der ganzen Welt. Viele Städte
und Dörfer der Aramäer sind ferner ausgeplündert, zerstört und
Kirchen im Moscheen umgewandelt. Die Besitztümer wurden mit Gewalt
enteignet.
Mit diesem Völkermordsyndrom lebt heute jeder orientalischer Christ.
Es stellt für uns eine historische Tatsache dar. Die Türkei leugnet
diesen Holocaust leider bis heute ab und verurteilt jeden, der so
etwas behauptet, wie auch im Falle unseres Priesters Yusuf Akbulut
im Jahre 2000. Und weil dieser Völkermord heute trotzdem vielen
Menschen unbekannt ist, wollen wir die ganze westliche
Öffentlichkeit auf unser Schicksal aufmerksam machen.
Unsere Forderungen:
1. Anerkennung des Völkermordes an das Aramäische Volk und
Wiedergutmachung
2. Religionsfreiheit und Freie Meinungsäußerung in der Türkei,
insbesondere im Hinblick auf dem Völkermord
3. Anerkennung des Aramäischen Volkes in der Türkei als eine
ethnische Minderheit
4. Aufklärung aller politisch motivierten Mordanschläge in den
letzten 30 Jahren, die in der Südosttürkei an Christen verübt
wurden
5. Eröffnung aller aramäischen Schulen und Förderung der aramäischen
Sprache und Schrift
6. Aufhebung aller Verbote gegen unserer aramäischen Sprache und
Schrift
7. Gewährung der den Aramäern zustehenden Rechte, wie Eröffnung von
gemeinnützigen Vereinen, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Radio-
und Fernsehsender sowie Sendungen in unserer aramäischen
Muttersprache
8. Rückgabe und Renovierungen christlicher Kirchen durch finanzielle
Unterstützung des türkischen Staates
9. Förderung der Infrastruktur in unserer Heimat Tur-Abdin
10. Rückgabe von beschlagnahmten und widerrechtlich enteigneten
Ländereien und Güter der Christen
In diesem Sinne appelliert die Föderation der Aramäer gleichzeitig
an die deutsche Öffentlichkeit, an die Presse, an die Regierung, an
die Parteien im Parlament, sowie an die Europäische Union und an die
Menschenrechtsorganisationen, sich für die Aramäer und den
verfolgten und schutzlosen Christen in der Türkei, einzusetzen.
Föderation der Aramäer (Suryoye) in Deutschland (FASD) e.V.
www.oromoye.de
Köln, 23.04.2005
Kontakt: mardutho@hotmail.com
Mardutho D-Suryoye
Viele Brunnen 8
D-74912 Kirchardt
Fax: 0 72 66 / 91 55 54
Föderation der Aramäer (Suryoye) in Deutschland e.V.
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