H  E  V  G  I  R  T  I  N  A

REWŞENBÎRÊN KURDÊN ROJAVA LI DERVE


اتحاد المثقفين الكورد-غربي كوردستان في الخارج
rojava@rojava.net
 

 
 

Hevgirtin   Kurdi عربيEnglishSwedish Deutsch

 
 

 

 
 


 


 


 


 



Talisman/Amulett
Mein Name ist Canou
 

rojava.net 26.04.2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Talisman/Amulett

Mein Name ist Canou

und mein Onkel hat keinen Namen... Ich kenne seinen Namen nicht; in dieser Nacht streckt er die ewige Sorge vor den Türen des Nordens aus und denkt tief nach. Ich und das Geräusch des Gürtels meiner Mutter, das Rascheln der Sommerstacheln des Taurus.., mein Onkel dreht seinem Schicksal den Rücken zu und wendet sein Gesicht dem Wörterbuch der aufgeregten Grenzen zu, er schaut zu mir und der schönen Haarlocke auf meiner Stirn, mit scharfen Blicken wie ein unschuldiger Adler, geht mit seinen Blicken hin und her zwischen den Zeilen der Grenze und der Minen.

Der Rauch der Zigaretten war in Richtung auf die Minen zu gezogen und das Keuchen seiner Karawane kippt auf meine Angst. Wir werden in dieser Nacht in Richtung Norden, in vermintes Land..; plötzlich reißt Ghasale meine Hände in Richtung des Dreschbodens:

-Weißt Du nicht, daß wir in Richtung Norden gehen, über die Grenze ?

-Ich weiß.

-Wie ?

Jedesmal, wenn der Zigarettenrauch der Männer in Richtung Minen zieht, dann weiß ich, daß Du auf dem Weg bist.

Versteckt Euch vor den Augen des Schicksals, achtet auf Eure Schritte, achtet auf die Kinder, daß die Grenzen sie uns nicht entführen! Raucht Eure letzten Zigaretten und benachrichtigt die Frauen, daß sie die Waffen bereitlegen !

Als mein Onkel sprach, glänzte sein Goldzahn im Zwielicht des Hofes.

Ich werde in dieser Nacht die Grenze für Dich und Deinen Sohn opfern.

-Nein, mein Bruder, ich habe keine Angst !

Ich entzünde mich an der Schuhsohle und zeige, daß ich Dir nicht zugehört habe.

-Warum kommt Ghasale nicht mit ?

Ich drehe mich mit beiden Augen , die voll von Angst sind, und taste in den Taschen der Männer und dem Rasseln des Fußschmucks der Frauen nach der Feldblume; mit dem Schrei Ghasales komme ich meiner Mutter nahe:

-Warum kommt Ghasale nicht mit uns ?

Wir überschreiten die Bahnlinie und die Minenfelder. Die Maultiere, die mit ihren scharfen Blicken zum Taurus, der mit vielen Abkommen garniert ist, heraufsehen..; die Dunkelheit der Männer.., die Wünsche vor den Knospen der Angst haben aufgegeben. Die Knospen, die mein Blut vergewaltigt haben.

 

Ich habe mir und meinen Schuhen nicht geglaubt, daß wir das Zittern vor den Minen gelernt haben, die Vibration der Lippen und das Fiebern des Körpers,

das Brechen des Sommerstrohs, die Blüte des wilden Johannisbrotbaums; trockene Stöcke, dicke Socken, heißer Staub, die schwarze Statur der Bewaffneten, die die Minenfelder genau kennen, wie Efeu rankten sie sich um die gebrochenen Horizonte.

-Wer hat das Wasser gemacht?

 

Ich kehre zurück zu den Gesichtszügen meiner bergesgleichen Liebe, zum Schatten des Kleides meiner Mutter, verstecke Ghasale wie einen feuchten Mandelkern in meinem Gedächtnis und in der Schwere des Ausdrucks meiner Stationen der Emigration.

-Wer hat das Wasser gemacht ?

Mein Onkel löst den Wassertropfen aus seiner Hüfte und dreht sich zu mir herum:

-Aus unseren Tränen, aus unseren Tränen, mein Sohn.

Der erste Tropfen, der die Erde berührt, war der Tropfen Deiner Mutter und mit diesem Tropfen entsprangen Quellen und Flüsse aus den verletzten Tiefen der Berge dieses Landes.

-Dann frage nach dem Tropfen meiner Mutter, mein Onkel.

Am nächsten Tag, in der Nähe des Dreschbodens, begegnete Ghasale den Spuren von Canous Schuhen . Sie setzte sich um die Spuren herum und häufte den zarten Staub zu Wällen auf. Dort, wohin die Tropfen flossen, sprossen Sonnenblumen. Diese blühten und wandten sich der Sonne zu . Der Sonne, die über den Minen stehengeblieben war. Ghasale hat keine Erklärung für die Zeit gefunden; sie hat die Zipfel ihres Kleides genommen und ist in die Richtung des Hauses gerannt. Sie brachte die Wasserkanne und suchte nach der Spur; sie hat die Staubwälle nicht gefunden, auch nicht die Sonnenblumen. Sie hat lange gesucht. Während der Suche floß das Wasser aus der Kanne. Dann kam die Flut. Der Tonkrug löste sich von der Flut, und auch die Grenzen und die Minen. Canous Schuhe lösten sich auch, aber ohne Bewegung. Daneben lag Canous Lilienamulett.

-Wo ist Canou ?

Ghasale hat das Amulett gefragt.

 

- Er hat sich in ein Rebhuhn verwandelt; am Ufer des Wan-Sees lehrt er die

Vögel das Krächzen.

- Wie können die Kunstkinder lernen ?

 

- Durch das Wasser, sie sagen, daß Canou das Krächzen an den See übertragen

hat; jeder Vogel, der von diesem Wasser trinkt, wird angesteckt.

- Und das Amulett ?

- Ich bin kein Amulett, sondern eine Schwalbe.

 

Mein Name ist Canou, oft Landstreicher in den Straßen des Exils. Ich warte auf die Briefe meiner Ghasale. Fein bin ich, bewahre die Gefährlichkeit der Minen, bewahre die Übungen meines Onkels mit seinem grauen Pferd, da es mit dem Ort die Gewohnheit bekommt, mit der Zerstörung und Trennung. Damit wir in das Heft der Einsamkeit die Nacht und die Narzisse malen. Alle Mauern sind gefallen; alle Männer sind aus dem Graben Sauce ohne Stein. Ich beobachte meinen Onkel und seine Ratschläge und Empfehlungen an seine Männer.

Danach fragt er mich :

- Liebst Du Sesam ?

Du warst mit ihr zusammen gekommen.

- Nein Onkel.. Ich liebe Ghasale.

Er lacht dieses Mal in der Sonne des „Omeriyansmittag", seine goldenen Zähne strahlen, die dünnen Linien seines Schnurbartes blühen. Er trägt sein Gewehr, nimmt meine Hand und geht Richtung Grenze und Minen.

- Siehst Du Ghasale ?

Ich fasse nach nach dem Amulett ; ein Schwarm Schwalben entspringt

meinem Körper, fliegt auf, als ich meinen Onkel anschaue. Das Weinen

sammelt sich in der Brust der Grenze.Der erste Tropfen hat meiner Mutter gehört. Ich verbeuge mich auf dem Amulett und frage meinen Onkel:

- Wann werde ich wieder geboren ?

- Mein Onkel wollte weinen, aber er hat es nicht getan.

 

Die wilden Blumen blühten durch die Explosion der Minen. Es waren kleine, bunte Blumen, sprachlos vor dem Wunsch zu rauchen des Schleppers. Sechs wilde kleine Blumen schmiegen sich an eine kleine offene Leiche; sie berührt das Geheimnis des Hauches, der wie ein Prophet aus dem Moore Ghasales kommt.

Die Blumen versteckten das Geheimnis der Luft in der Erde und weichten die Leiche in Ghasales Augen ein. Dann fragten sie nach dem Grund der Beschaffenheit des Wasser und der Erde.

25 Jahre haben Canou gefragt !

25 Jahre haben die Minen gefragt !

25 Jahre haben die Blumen gefragt !

25 Jahre dachte niemand daran, Ghasale zu fragen !

 

 

Ahmad Husseyni

7.9.95

 

 

 
 

HEVGIRTINA REWŞENBÎRÊN KURDÊN ROJAVA LI DERVE