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UNICEF ersucht die Türkei dringend, in kurdischer Sprache zu
unterrichten
Internationales Zentrum für Menschenrechte der
Kurden
Navenda Mafên Mirovatî ya Navnetewî ji bo Kurdan
International Center for Human Rights of the Kurds
Centre International pour les Droits de L’homme des Kurdes
Am 13. Juni 2006 haben europaweit 32 kurdische
und pro-kurdische Organisationen sowie wissenschaftliche
Einrichtungen, darunter auch IMK e.V., einen Brief an die
Regierungschefs und Aussenministern, Vorsitzenden der Fraktionen im
Europa Parlament, des Europarats sowie an die UN-Organisationen
UNESCO und UNICEF geschrieben, in dem sie um Unterstützung bitten,
damit in der Türkei die muttersprachliche Erziehung für kurdische
Kinder eingeführt wird.
Unten die Nachricht über den Vorstoß der UNICEF bei der türkischen
Regierung.
UNICEF ersucht die Türkei dringend, in kurdischer Sprache zu
unterrichten
Von Emma Ross-Thomas
Der stellvertretende Leiter des „United Nations Children’s Fund“
(UNICEF) ersuchte am Freitag die Türkei dringend, den Versuch zu
unternehmen, seine kurdischen Kinder in kurdischer Sprache zu
unterrichten, und berichtete, dass internationale Beispiele ergeben
hätten, dass dies den Ausbildungsstandard verbessern würde. Kurdisch
in der Öffentlichkeit zu sprechen war in der Türkei verboten und
obwohl das Verbot für den Rundfunk auf Forderung der Europäischen
Union hin gelockert wurde, stellt es nach wie vor ein heikles
politisches Problem dar. Kul Gautam, stellvertretender
Exekutivdirektor von UNICEF, berichtete, dass Beispiele aus
mehrsprachigen Gemeinschaften in Bolivien und Indien zeigten, dass
Kinder, die zuerst in ihrer Muttersprache unterrichtet wurden, sich
besser entwickelten. „Zumindest, denke ich, sollte es versucht
werden, es sollte ausprobiert werden, weil die weltweite Erfahrung
besagt, dass es hilfreich ist“ erklärte Gautam in einem Interview.
„Dies mag nicht die Antwort sein, aber es könnte eine Antwort sein,
die es wert ist, bedacht zu werden.
Eine Antwort für eine bessere Gesellschaft, bessere
Ausbildungsmöglichkeiten, einen besseren Schulabschluss.“ Offizielle
Daten zeigen, dass die Türkei in der Primärstufe eine
Einschreibungsrate von 90% hat, die für die Sekundarstufe auf 55%
sinkt. Die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben liegt bei Männern bei
95% und bei Frauen bei 80%, diese Zahlen schwanken jedoch erheblich
zwischen der wohlhabenden Westtürkei und dem hauptsächlich armen
kurdischen Südosten.
Während in privaten Sprachschulen kurdisch unterrichtet werden darf
– eine indo-europäische Sprache ohne Verbindung zum Türkischen – ist
türkisch die einzige Sprache, die in Schulen unterrichtet wird.
Über Jahrzehnte hat Ankara die Existenz der Kurden als eine
ethnische Gruppe nicht anerkannt und die Europäische Union, die im
vergangenen Jahr Beitrittsgespräche mit der Türkei begonnen hat, hat
die Türkei kritisiert, nicht genug für die Rechte der kurdischen
Kultur zu tun.
Die türkische Armee bekämpfte zwischenzeitlich seit 1984 kurdische
Rebellen in den Bergen im Südosten. „Ich denke, dass dies nicht als
eine politische Angelegenheit angesehen, sondern als eine
Angelegenheit, die sehr vorsichtig bedacht werden muss – als eine
Bildungsangelegenheit, eine akademische Angelegenheit“ sagt Dautam.
Er führte auch aus, dass die Türkei, die 4% ihres
Bruttosozialproduktes für Bildung ausgibt, im Verhältnis zu einem
Durchschnitt von 5,5% innerhalb der Europäischen Union, mehr in
Bildung investieren sollte.
„Dies sollte nicht als Sozialfürsorge angesehen werden, sondern als
eine höchst wirkungsvolle Investition in das wirtschaftliche
Gedeihen und die nationale Entwicklung eines Landes und deshalb muss
die Türkei
mehr tun.“
(Reuters, 09.07.2006)
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