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Karin Ahrens
Panem et Circensis
Nach dem 09.07.2006
Die Spiele sind vorbei. Mehr Menschen, als die Erde an Bevölkerung
hat, haben ihnen an den Bildschirmen, auf Großleinwänden und in den
Stadien zugeschaut. In Deutschland herrschte vier Wochen lang
Partystimmung. Jürgen Klinsmann und seine Männer haben zwar nicht
den Pokal gewonnen, aber den Weg in die Herzen der Deutschen
gefunden. Sie sind zu Helden geworden, die uns aus der tiefen
Depression erlöst haben. In den nationalen Jubel stimmten jedoch
auch andere nationale Töne ein, die im Stadion „Sieg“ riefen und
Eingeweihte diesen Ruf vollenden konnten, wenn auch nur in Gedanken.
Was gemeint ist, ist klar.
Der Gewinner steht fest – Italien, das uns die Schmach der
Niederlage im Halbfinale bereitet hat. Weitere Gewinner lassen sich
finden: Das ist die FIFA, die internationale Fußballorganisation.
Sie hat mehr als eine Milliarde Euro an den Spielen verdient.
Unterstützt von der deutschen Bundesregierung und einem Heer von
Freiwilligen, die für ihr Engagement keinen müden Euro sahen.
Arbeitslose gibt es ja genug.
Gewinnerin ist auch die deutsche Bundesregierung. Sie haben die Zeit
des Ausnahmezustandes genutzt, um einige, für das deutsche Volk
entscheidende, Gesetze zu verabschieden: Die Mehrwertsteuererhöhung,
mit der sich die Bundesregierung ihre Finzanzen auf dem Rücken der
Bevölkerung saniert; mit der Gesundheitsreform, die der Bevölkerung
im Bereich Gesundheit Mehrkosten zumutet, ohne jedoch einen
entscheidenden Reformschritt gewagt zu haben; mit der
Förderalismusreform, die die deutsche Hochschullandschaft in
Kleinstaaterei verwandelt und mit der sich leichter durchregieren
lässt.
Wann wird uns der Alltag wieder einholen?
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