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Wednesday, 27 June 2007 23:44


 

 


Internationales Zentrum für Menschenrechte der Kurden

Presseerklärung:
Zum Prozessbeginn gegen Saddam Hussein
am 21. August 2006


Der Prozessauftakt gegen den Ex-Diktator und Massenmörder Saddam
Hussein wegen des als „ANFAL-OPERATION“ bekannten Angriffs auf die
eigene kurdische Zivilbevölkerung in Irakisch-Kurdistan beginnt am
kommenden Montag.
Während der ANFAL-OPERATION, die vom 25. Februar bis zum 05.
September 1988 andauerte, haben die irakischen Streitkräfte aus der Luft
und auf dem Lande einen Vernichtungskrieg gegen die kurdische
Bevölkerung durchgeführt.
Neben der Bombardierung und Zerstörung der kurdischen Städte und
Dörfer wurden auch chemische Waffen eingesetzt, denen zehntausende von
Menschen (Kurden, Assyrer und Turkmenen) zum Opfer fielen.
Die kurdische Stadt Halabja, in der am 16. März 1988 mehr als 5.000
Menschen Opfer der chemischen Waffen wurden, ist immer noch im
Gedächtnis der Weltöffentlichkeit.
Durch gezieltes Vorgehen der Baath-Schergen wurden 182.000 kurdische
Frauen, Männer und Kinder in verschiedene Internierungslager gesteckt,
aus denen sie nie mehr herauskamen. Heute noch werden Massengräber
von diesen bestialisch ermordeten Menschen entdeckt.
Das Baath-Regime wurde damals hauptsächlich von zahlreichen westlichen
Staaten gegen den Iran unterstützt und mit Waffen und moderner
Technologie versorgt, die zur Herstellung der chemischen Waffen eingesetzt
wurden.

Zu den Technologielieferanten gehörten u. a. auch mehrere deutsche Firmen. Die meisten davon wurden für ihre verbrecherischen Geschäfte bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.
Infolge dieser Operation flohen mehr als eine Million Menschen über die Grenzen in die Türkei und in den Iran. Tausende starben aufgrund von Kälte, Krankheiten und Unterversorgung.
Abertausende von Menschen und deren Kinder leiden heute noch unter den
Auswirkungen der eingesetzten chemischen Waffen. An Krebs, Leukämie sowie
anderen Folgekrankheiten leiden insbesondere Kinder der während der ANFALOperation betroffenen Familien. Wegen der zerstörten medizinischen Infrastruktur in Irakisch-Kurdistan und fehlender Fachärzte kann unter den heutigen Bedingungen für abertausende betroffene Menschen keine notwendige Hilfe geleistet werden.
Wir hoffen, dass während des Prozesses die detaillierte Wahrheit und das Verbrechen des Saddam-Regimes gegen das kurdische Volk, Assyrer und Turkmenen geklärt werden kann und die heutige Bagdader Regierung dieses Verbrechen offiziell anerkennt, damit Angehörige der Opfer des Massenverbrechens sowie die Familien, die als Folge der chemischen Waffen an Krankheiten leiden, entschädigt werden.
Gleichzeitig appellieren wir an die Staaten, die in der Vergangenheit das
verbrecherische Saddam-Regime mit modernen Waffen und Technologie versorgt haben, ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Denn auch sie haben dazu beigetragen, dass heute hunderttausende von Menschen aus Irakisch-Kurdistan in verschiedenen europäischen Staaten als Flüchtlinge leben müssen.
Wir rufen die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, beim Aufbau der
Zivilgesellschaft und wirtschaftlichen Infrastrukturen in Irakisch-Kurdistan ihre
bisherige Zurückhaltung aufzugeben und Hilfsprogramme zu verabschieden.

Bonn, 18. August 2006

gez.
Abubekir Saydam
(Geschäftsführer)



 

 

 



 

 


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