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Internationales Zentrum für Menschenrechte der Kurden
Presseerklärung:
Zum Prozessbeginn gegen Saddam Hussein
am 21. August 2006
Der Prozessauftakt gegen den Ex-Diktator und Massenmörder Saddam
Hussein wegen des als „ANFAL-OPERATION“ bekannten Angriffs auf die
eigene kurdische Zivilbevölkerung in Irakisch-Kurdistan beginnt am
kommenden Montag.
Während der ANFAL-OPERATION, die vom 25. Februar bis zum 05.
September 1988 andauerte, haben die irakischen Streitkräfte aus der
Luft
und auf dem Lande einen Vernichtungskrieg gegen die kurdische
Bevölkerung durchgeführt.
Neben der Bombardierung und Zerstörung der kurdischen Städte und
Dörfer wurden auch chemische Waffen eingesetzt, denen zehntausende
von
Menschen (Kurden, Assyrer und Turkmenen) zum Opfer fielen.
Die kurdische Stadt Halabja, in der am 16. März 1988 mehr als 5.000
Menschen Opfer der chemischen Waffen wurden, ist immer noch im
Gedächtnis der Weltöffentlichkeit.
Durch gezieltes Vorgehen der Baath-Schergen wurden 182.000 kurdische
Frauen, Männer und Kinder in verschiedene Internierungslager
gesteckt,
aus denen sie nie mehr herauskamen. Heute noch werden Massengräber
von diesen bestialisch ermordeten Menschen entdeckt.
Das Baath-Regime wurde damals hauptsächlich von zahlreichen
westlichen
Staaten gegen den Iran unterstützt und mit Waffen und moderner
Technologie versorgt, die zur Herstellung der chemischen Waffen
eingesetzt
wurden.
Zu den Technologielieferanten gehörten u. a. auch mehrere deutsche
Firmen. Die meisten davon wurden für ihre verbrecherischen Geschäfte
bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.
Infolge dieser Operation flohen mehr als eine Million Menschen über
die Grenzen in die Türkei und in den Iran. Tausende starben aufgrund
von Kälte, Krankheiten und Unterversorgung.
Abertausende von Menschen und deren Kinder leiden heute noch unter
den
Auswirkungen der eingesetzten chemischen Waffen. An Krebs, Leukämie
sowie
anderen Folgekrankheiten leiden insbesondere Kinder der während der
ANFALOperation betroffenen Familien. Wegen der zerstörten
medizinischen Infrastruktur in Irakisch-Kurdistan und fehlender
Fachärzte kann unter den heutigen Bedingungen für abertausende
betroffene Menschen keine notwendige Hilfe geleistet werden.
Wir hoffen, dass während des Prozesses die detaillierte Wahrheit und
das Verbrechen des Saddam-Regimes gegen das kurdische Volk, Assyrer
und Turkmenen geklärt werden kann und die heutige Bagdader Regierung
dieses Verbrechen offiziell anerkennt, damit Angehörige der Opfer
des Massenverbrechens sowie die Familien, die als Folge der
chemischen Waffen an Krankheiten leiden, entschädigt werden.
Gleichzeitig appellieren wir an die Staaten, die in der
Vergangenheit das
verbrecherische Saddam-Regime mit modernen Waffen und Technologie
versorgt haben, ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Denn auch sie
haben dazu beigetragen, dass heute hunderttausende von Menschen aus
Irakisch-Kurdistan in verschiedenen europäischen Staaten als
Flüchtlinge leben müssen.
Wir rufen die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, beim
Aufbau der
Zivilgesellschaft und wirtschaftlichen Infrastrukturen in
Irakisch-Kurdistan ihre
bisherige Zurückhaltung aufzugeben und Hilfsprogramme zu
verabschieden.
Bonn, 18. August 2006
gez.
Abubekir Saydam
(Geschäftsführer)
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