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Mohamed Ali Djudju
Obwohl ich die Rückständigkeit der
demokratischen kurdischen Bewegung in Syrien bis hin zu
Ekel und Abscheu bestätige, muß ich allerdings bekennen,
daß es bis zu einem gewissen Grad weder mir noch einem
anderen von denen, die „außerhalb des Schwarmes
zwitschern“ zusteht, die kurdische Bewegung wegen jeder
kleinen oder größeren Sache ständig zu kritisieren; und
zwar aus einem einfachen und klaren Grund: Wir, die wir
uns selbst die Intellektuellen nennen, sind es nämlich,
die in erster Linie die Verantwortung am Zurückbleiben
der kurdischen Bewegung tragen. Wir - oder einige von
uns - haben den Schauplatz der kurdischen Bewegung
einigen rückständigen Stammes-Hinterwäldlern überlassen,
die heute die Führer der demokratischen kurdischen
Bewegung in Syrien genannt werden, das kurdische Volk
repräsentieren und ihr Schicksal bestimmen!
Ja, wir tragen den größten Teil der Last und Schuld an
der Rückständigkeit der kurdischen Bewegung in Syrien!
Die kurdischen Organisationen in Syrien sind es gewohnt,
ständig ihre Kritik an den herrschenden Machthabern in
Syrien zu üben, daß sie es seien, die das kurdische Volk
unterdrücken und seine völkische Identität auslöschen
durch Methoden, die sehr rassistisch und chauvinistisch
sind. Das geschieht durch Anwendung harter und
aalglatter Machtmittel. Das alles ist wahr. So haben
sich diese Organisationen ebenso daran gewöhnt, sich
selbst gegenseitig unter Beschuß zu nehmen durch Vorwurf
des Verrats und der Verschwörung und der Anwendung
billiger und äußerst schmutziger Methoden, für deren
Auflistung hier aber kein Raum ist. Auch das ist wahr,
aber die kurdischen Organisationen sind es absolut nicht
gewohnt, Kritik bei sich selbst anzusetzen, sich zu
überprüfen und Fehler ehrlich und offen einzugestehen.
Leider haben die kurdischen Führer die herrschenden
Machthaber um Unterdrückung, gegenseitige Ausschaltung
und krankhaftes Festhalten an Positionen beerbt, obwohl
sie zur gleichen Zeit die regierenden Machthaber der
Diktatur und der Ausschaltung anderer beschuldigen.
Was ist folglich zu tun angesichts dieser großen
Herausforderung?
Wie lange bleibt unsere demokratische kurdische Bewegung
in Syrien schwach und rückständig?
Ich bin davon überzeugt, daß die Beantwortung dieser
Frage in Zusammenhang mir der Beantwortung der folgenden
Fragen steht:
- Ist es nicht beschämend und schändlich, daß wir uns
seit einem halben Jahrhundert noch auf der Stelle
bewegen?!
- Wie lange noch verbleiben einige Personen, die sehr
viel Popularität erlangten, in den kurdischen Kreisen?
Bis heute haben diese aus sich selbst heraus leider kein
einziges Buch über Politik als Wissenschaft oder als
eine eigenständige Kunst gelesen!! Sie bestimmen jedoch
die Angelegenheiten der kurdischen Bewegung und sprechen
in deren Namen.
- Ist es keine vaterländische, nationale und moralische
Pflicht, daß die kurdische Führung auf ihre Plätze
verzichtet und den Weg frei macht für eine andere junge
Führung, die zumindest ein oder zwei Bücher über die
Wissenschaft und Kunst der Politik gelesen hat?!!
- Ist es nicht ebenso eine vaterländische, nationale und
moralische Pflicht, daß die intellektuellen syrischen
Kurden ihren übertriebenen Narzißmus aufgeben und sich
in die Körperschaften der kurdischen Organisationen
einbringen - denn es ist keine Ehre oder
Hochachtung für eine Volk, wenn es nicht organisiert ist
- ohne daß natürlich ihre kulturellen und
intellektuellen Gruppen aufgehoben werden?!!
- Ist die Zeit noch nicht gekommen, unsere Denkweise zu
überdenken, nachdem wir das Ergebnis unseres „auf der
Stelle-Tretens“ gesehen haben?!!
- Warum geschieht die Ausschaltung des anderen unter dem
Vorwand des Irrealismus und Extremismus oder was immer
für verantwortungslosen Begriffen? Gibt uns die
Autorität, die uns extrem unterdrückt, nicht das Recht,
in großem Maße nach unseren Rechten begierig zu sein?!!
- Wann versteht die zukünftige kurdische Führung, daß es
niemanden in diesem Universum gibt, seien es die
Machthaber in Syrien oder die freiheitlich
demokratischen Kräfte in der gesamten Welt, der sich der
kurdischen Frage zuwendet, ohne daß es für dieses
Anliegen eine einheitliche rechtliche Vertretung gibt,
die die Mehrheit der Parteien der kurdischen Bewegung
umfaßt?!!
Ist die Zeit nicht reif für die kurdische Führung zu
verstehen, daß es sich bei den Staaten - einschließlich
jenes, in dem wir in Unterdrückung leben - nicht um
Wohltätigkeitsvereine handelt; die nichts geben, wenn du
nichts bist.........nur eine Zahl im Gleichgewicht der
internationalen Interessen.?!!
Die Frage, die sich selbst stellt, ist in Wirklichkeit
diese:
Sind die Kurden in Syrien wirklich eine schwierige Zahl
im syrischen Gleichgewicht? Oder anders ausgedrückt:
Bilden die kurdischen Organisationen in ihrer
augenblicklichen Realität eine schwierige Zahl in den
syrischen Berechnungen, egal ob von Seiten der
Regierungsmacht oder der angeblichen Opposition?
Die Antwort - mit Ja oder Nein - kommt durch das Maß an
Korrektheit folgender Praktiken:
Kommt die schwierige Zahl durch das gegenseitige
Überbieten im Nachgeben und durch das Herumbetteln um
legale Rechte?
Kommt die schwierige Zahl durch die häufigen Spaltungen
der kurdischen Parteien?
Kommt die schwierige Zahl durch die gegenseitige
Beschuldigung der kurdischen Seiten hinsichtlich Verrat
und Spionage?
Kommt die schwierige Zahl durch die vergeblichen Opfer
zugunsten der syrischen Opposition, die jedoch bis heute
eine Sache mit Namen “Kurdistan“ nicht anerkennt?
Kommt die schwierige Zahl durch die ständige unilaterale
Denkweise? Gibt es nicht andere Alternativen für die
Politik? Ist nicht die Ökonomie das andere Gesicht der
Politik? Stellen heute nicht die Medien eine Macht dar,
mit der man nur schwerlich streiten kann??
Heute sind wir alle zu einer genauen Analyse von
Vernunft und Wirklichkeit des kurdischen Volkes in
Syrien aufgerufen, indem wir uns ganz und gar von den
sentimentalen, menschlichen Genen entfernen, die einen
Faktor der Schwäche bei dem kurdischen Menschen schufen
und das Unglück des kurdischen Menschen im Verlauf der
Epochen exakt zum Ausdruck brachten.
Die Lösung des kurdischen Problems kommt nach meiner
Überzeugung durch das Überdenken der Denkweise und
Ideologien, auf die die kurdischen Parteien bauten.
Abschließend versichere ich, daß es keine Lösung für das
kurdische Problem in Syrien gibt, wenn wir uns nicht
selbst gut und unsere Stärken genau kennen und unser
Motto ist: „Alles für Kurdistan“, damit wir uns nicht
ein weiteres halbes Jahrhundert auf der Stelle bewegen.
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