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Kurdische Publikationen in der Türkei
und in Syrien
Karin Ahrens
Kurdische Publikationen haben es in den oben genannten
Ländern immer noch schwer, an die Öffentlichkeit zu
gelangen; wobei es mittlerweile in der Türkei etwas
erleichtert ist. Eine Untersuchung der Next Page
Foundation in Zusammenarbeit mit der Open Society
Foundation - Budapest, durchgeführt in der Türkei und in
Syrien von M.Malmisanij, einem kurdischen
Intellektuellen und Schriftsteller, kommt zu folgenden
Ergebnissen:
In Syrien besteht seit dem Jahr 1959, dem Jahr der
Unabhängigkeit, durch die diskriminierende Politik der
Arabisierung eine Behinderung der Ausübung der
kurdischen Sprache auf unterschiedliche Art und Weise.
Eine dieser Maßnahmen ist, die Veröffentlichung
kurdischer Bücher und Schriften zu verbieten. Der Plan
der Arabisierung sah vor, Kurden und Kurdinnen den
Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen zu verwehren. Ziel
war, die kurdischen Einwohner und Einwohnerinnen zu
zwingen, das Land zu verlassen und denen, die nicht
Arabisch sprechen, Zivilrechte zu verweigern. Die
Verbreitung kurdischer Publikationen ist nicht nur
gefährlich, sondern auch sehr kostenaufwändig. Eine
leichte Verbesserung dieser Situation wurde erreicht,
weil einige kurdische Gruppen die Publikation in den
Libanon verlagerten und anschließend illegal zurück
importierten. Seit 1990 hat sich die Situation zudem
etwas verbessert aufgrund der Vielzahl an
Veröffentlichungen und der Arbeit kurdischer Gruppen in
Süd- und Nordkurdistan. Von 3 Büchern, die
veröffentlicht wurden zwischen 1970 und 1990 stieg deren
Zahl auf 111. Jedoch nach den Konfrontationen im Jahre
2004 trat wieder eine Verschlechterung ein. Die
staatliche Sicherheitspolizei erhöhte die Kontrollen und
übte Druck aus auf Verlage und Druckereien.
Der Druck und die Distribution von Büchern ist geregelt
in einem Gesetzesdekret aus dem Jahre 2001. Dieses
Dekret verpflichtet die Eigentümer von Druckereien, alle
Druckerzeugnisse zu erfassen mit Datum, Titel, Autor und
Auflagenstärke. Diese Daten müssen auf Verlangen den
staatlichen Stellen und den Einrichtungen der Justiz
vorgelegt werden. Die Veröffentlichung von
Druckerzeugnissen wird nur erlaubt nachdem eine
Bewerbung bei dem Informationsministerium, zusammen mit
einer Kopie des zu veröffentlichenden Werkes,
eingereicht wird. Zu Kontrollzwecken verlangt das
Ministerium außerdem Kopien des Buches, wenn es
veröffentlicht wurde.
Das Ministerium erlaubte einer kleinen Anzahl kurdischer
Autoren und Autorinnen, Bücher in Arabisch/Kurdisch zu
veröffentlichen. Dazu gehören Kinderbücher oder Bücher
mit folkloristischen Inhalten. Gegenwärtig gibt es zehn
Bücher, die legal in Syrien veröffentlicht wurden und
offiziell im Buchhandel vertrieben werden dürfen.
Aufgrund der Hindernisse, deren sich kurdische Autoren
und Autorinnen durch staatliche Stellen gegenüber sehen,
ist ein Zuwachs des Interesses am Internet zu beobachten
und die Anzahl von Publikationen kurdischer Autoren aus
Syrien im Internet wird steigen.
In der Vergangenheit war es in der Türkei schwierig für
Kurden und Kurdinnen, ihre Werke zu veröffentlichen,
wenn nicht sogar unmöglich. Kurmanci und Kirmacki sind
zwei kurdische Dialekte, die in der Türkei gesprochen
werden. Sie nutzen seit 1928 das latinische Alphabet.
Auch während der Zeit des Ottomanischen Reichs waren
kurdische Publikationen aus politischen Gründen
verboten, jedoch verschärften sich die Repressionen
gegenüber den Kurden und Kurdinnen mit dem Beginn des
modernen türkischen Staates 1923. Es war unter Strafe
gestellt, eine andere Sprache als Türkisch in
öffentlichen Einrichtungen zu sprechen. Trotz der
Assimilationspolitik des türkischen Staates entstand in
den 60er und 70er Jahren die kurdische nationale
Bewegung. Einige kurdische Intellektuelle versuchten,
kurdische Bücher und Zeitschriften zu veröffentlichen,
was schwerwiegende Maßnahmen des türkischen Staates nach
sich zog. Seitdem der Staat sogar den Besitz eines
kurdischen Buches unter Strafe stellte, weigerten sich
die Druckereien, kurdische Werke zu drucken. Die
Militärdiktatur von 1971 bis 1980 unterbrach jegliche
kurdische Veröffentlichung. In dieser Zeit war es sogar
kurdischen Gefangenen verboten, mit ihren Angehörigen
kurdisch zu sprechen. Die Situation verbesserte sich
1991, als das Verbot, in kurdischer Sprache zu
publizieren, aufgehoben wurde im Zuge der Harmonisierung
der Gesetze mit der EU. Trotz der Veröffentlichung von
212 kurdischen Büchern in der Zeit von 1990 und 1999
bestehen noch Behinderungen des kurdischen
muttersprachlichen Unterrichts in der Türkei. Kurdische
Zeitungen werden vorwiegend von politischen Parteien
herausgegeben. Kurdische Bücher werden üblicherweise in
Istanbul gedruckt aufgrund der günstigen Kostensituation
dort. Dies verteuert aber die Verbreitung der Bücher in
den kurdischen Gebieten aufgrund der Entfernung. Die
Auflage der meisten Bücher übersteigt nicht die Anzahl
von 1000 Stück. Die Verbreitung der Bücher findet
gewöhnlich durch Buchhandlungen statt, durch
Verteilerfirmen oder durch Handelsvertreter. Nach 2003
auch durch die Post. Ein anderer Verbreitungsweg ist der
Verkauf von Büchern auf kurdischen Festivals in großen
Städten und auf Buchmessen.
Jedoch ist es nicht allen Kurden und Kurdinnen möglich,
zu lesen. Die Rate der lesekundigen Kurden ist weitaus
geringer als der türkische Durchschnitt. Sie liegt bei
13 %. Die Analphabetenrate in den kurdischen Provinzen
ist höher als im türkischen Durchschnitt. Ein Abschluss
nach acht Jahren Schulbesuch können nur 35% der Kurden
und Kurdinnen vorweisen. Nur sehr wenige können kurdisch
lesen und schreiben, die meisten haben es sich selbst
beigebracht.
Bibliotheken in der Türkei sind nicht daran
interessiert, kurdische Bücher in ihrem Bestand zu
haben. Eine Ausnahme bildet die Bosporus
Universitätsbibliothek mit einigen kurdischen Grammatik-
und Wörterbüchern sowie die Stadtverwaltung von Varto,
die für ihre neu zu eröffenende Bibliothek kurdische
Bücher bestellt hat. Die Nationalbibliothek hält in
ihrem Bestand kurdische Bücher vor, dies sogar während
der Zeit des Verbots kurdischer Bücher. Sie besitzt 170
kurdische Bücher. Einige kurdische Bibliotheken sind im
Ausland entstanden, eingerichtet durch kurdische
Institutionen.
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