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H.R.R.K     West Kurdistan Intellectuals Union

15 October 2007 20:49












 

 

Kurdische Publikationen in der Türkei und in Syrien
Karin Ahrens


Kurdische Publikationen haben es in den oben genannten Ländern immer noch schwer, an die Öffentlichkeit zu gelangen; wobei es mittlerweile in der Türkei etwas erleichtert ist. Eine Untersuchung der Next Page Foundation in Zusammenarbeit mit der Open Society Foundation - Budapest, durchgeführt in der Türkei und in Syrien von M.Malmisanij, einem kurdischen Intellektuellen und Schriftsteller, kommt zu folgenden Ergebnissen:

In Syrien besteht seit dem Jahr 1959, dem Jahr der Unabhängigkeit, durch die diskriminierende Politik der Arabisierung eine Behinderung der Ausübung der kurdischen Sprache auf unterschiedliche Art und Weise. Eine dieser Maßnahmen ist, die Veröffentlichung kurdischer Bücher und Schriften zu verbieten. Der Plan der Arabisierung sah vor, Kurden und Kurdinnen den Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen zu verwehren. Ziel war, die kurdischen Einwohner und Einwohnerinnen zu zwingen, das Land zu verlassen und denen, die nicht Arabisch sprechen, Zivilrechte zu verweigern. Die Verbreitung kurdischer Publikationen ist nicht nur gefährlich, sondern auch sehr kostenaufwändig. Eine leichte Verbesserung dieser Situation wurde erreicht, weil einige kurdische Gruppen die Publikation in den Libanon verlagerten und anschließend illegal zurück importierten. Seit 1990 hat sich die Situation zudem etwas verbessert aufgrund der Vielzahl an Veröffentlichungen und der Arbeit kurdischer Gruppen in Süd- und Nordkurdistan. Von 3 Büchern, die veröffentlicht wurden zwischen 1970 und 1990 stieg deren Zahl auf 111. Jedoch nach den Konfrontationen im Jahre 2004 trat wieder eine Verschlechterung ein. Die staatliche Sicherheitspolizei erhöhte die Kontrollen und übte Druck aus auf Verlage und Druckereien.

Der Druck und die Distribution von Büchern ist geregelt in einem Gesetzesdekret aus dem Jahre 2001. Dieses Dekret verpflichtet die Eigentümer von Druckereien, alle Druckerzeugnisse zu erfassen mit Datum, Titel, Autor und Auflagenstärke. Diese Daten müssen auf Verlangen den staatlichen Stellen und den Einrichtungen der Justiz vorgelegt werden. Die Veröffentlichung von Druckerzeugnissen wird nur erlaubt nachdem eine Bewerbung bei dem Informationsministerium, zusammen mit einer Kopie des zu veröffentlichenden Werkes, eingereicht wird. Zu Kontrollzwecken verlangt das Ministerium außerdem Kopien des Buches, wenn es veröffentlicht wurde.

Das Ministerium erlaubte einer kleinen Anzahl kurdischer Autoren und Autorinnen, Bücher in Arabisch/Kurdisch zu veröffentlichen. Dazu gehören Kinderbücher oder Bücher mit folkloristischen Inhalten. Gegenwärtig gibt es zehn Bücher, die legal in Syrien veröffentlicht wurden und offiziell im Buchhandel vertrieben werden dürfen.

Aufgrund der Hindernisse, deren sich kurdische Autoren und Autorinnen durch staatliche Stellen gegenüber sehen, ist ein Zuwachs des Interesses am Internet zu beobachten und die Anzahl von Publikationen kurdischer Autoren aus Syrien im Internet wird steigen.

In der Vergangenheit war es in der Türkei schwierig für Kurden und Kurdinnen, ihre Werke zu veröffentlichen, wenn nicht sogar unmöglich. Kurmanci und Kirmacki sind zwei kurdische Dialekte, die in der Türkei gesprochen werden. Sie nutzen seit 1928 das latinische Alphabet. Auch während der Zeit des Ottomanischen Reichs waren kurdische Publikationen aus politischen Gründen verboten, jedoch verschärften sich die Repressionen gegenüber den Kurden und Kurdinnen mit dem Beginn des modernen türkischen Staates 1923. Es war unter Strafe gestellt, eine andere Sprache als Türkisch in öffentlichen Einrichtungen zu sprechen. Trotz der Assimilationspolitik des türkischen Staates entstand in den 60er und 70er Jahren die kurdische nationale Bewegung. Einige kurdische Intellektuelle versuchten, kurdische Bücher und Zeitschriften zu veröffentlichen, was schwerwiegende Maßnahmen des türkischen Staates nach sich zog. Seitdem der Staat sogar den Besitz eines kurdischen Buches unter Strafe stellte, weigerten sich die Druckereien, kurdische Werke zu drucken. Die Militärdiktatur von 1971 bis 1980 unterbrach jegliche kurdische Veröffentlichung. In dieser Zeit war es sogar kurdischen Gefangenen verboten, mit ihren Angehörigen kurdisch zu sprechen. Die Situation verbesserte sich 1991, als das Verbot, in kurdischer Sprache zu publizieren, aufgehoben wurde im Zuge der Harmonisierung der Gesetze mit der EU. Trotz der Veröffentlichung von 212 kurdischen Büchern in der Zeit von 1990 und 1999 bestehen noch Behinderungen des kurdischen muttersprachlichen Unterrichts in der Türkei. Kurdische Zeitungen werden vorwiegend von politischen Parteien herausgegeben. Kurdische Bücher werden üblicherweise in Istanbul gedruckt aufgrund der günstigen Kostensituation dort. Dies verteuert aber die Verbreitung der Bücher in den kurdischen Gebieten aufgrund der Entfernung. Die Auflage der meisten Bücher übersteigt nicht die Anzahl von 1000 Stück. Die Verbreitung der Bücher findet gewöhnlich durch Buchhandlungen statt, durch Verteilerfirmen oder durch Handelsvertreter. Nach 2003 auch durch die Post. Ein anderer Verbreitungsweg ist der Verkauf von Büchern auf kurdischen Festivals in großen Städten und auf Buchmessen.

Jedoch ist es nicht allen Kurden und Kurdinnen möglich, zu lesen. Die Rate der lesekundigen Kurden ist weitaus geringer als der türkische Durchschnitt. Sie liegt bei 13 %. Die Analphabetenrate in den kurdischen Provinzen ist höher als im türkischen Durchschnitt. Ein Abschluss nach acht Jahren Schulbesuch können nur 35% der Kurden und Kurdinnen vorweisen. Nur sehr wenige können kurdisch lesen und schreiben, die meisten haben es sich selbst beigebracht.

Bibliotheken in der Türkei sind nicht daran interessiert, kurdische Bücher in ihrem Bestand zu haben. Eine Ausnahme bildet die Bosporus Universitätsbibliothek mit einigen kurdischen Grammatik- und Wörterbüchern sowie die Stadtverwaltung von Varto, die für ihre neu zu eröffenende Bibliothek kurdische Bücher bestellt hat. Die Nationalbibliothek hält in ihrem Bestand kurdische Bücher vor, dies sogar während der Zeit des Verbots kurdischer Bücher. Sie besitzt 170 kurdische Bücher. Einige kurdische Bibliotheken sind im Ausland entstanden, eingerichtet durch kurdische Institutionen.






 

 

 


 

 
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