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Hrant Dink und der Nationalismus
Karin Ahrens
Das Andere anders sein lassen, diese Toleranzleistung
wird von zivilisierten Gesellschaften erwartet, aber
nicht immer geleistet, wie man in Deutschland unter
anderem in Hoyerswerda beobachten konnte. Nationalismus
und Rassismus sind Verbündete im Kampf gegen das Andere,
den/die Anderen.
Hrant Dink war Journalist und er war Armenier. Er war
sichtbar, wurde wahrgenommen. Wo Minderheiten doch
möglichst im Verborgenen bleiben sollten, damit die
Mehrheit nicht herausgefordert wird, sich und ihren
Umgang mit Minderheiten, mit dem Anderssein, zu
hinterfragen.
Auf der Suche nach Identität ist der Nationalismus ein
Angebot. Wie können Gesellschaften eine positive
Identitätssuche leisten, ohne auf einen Nationalismus
zurückzugreifen, der den/die Anderen aussondert? Das
Ende des Feudalismus brachte den Rassismus, weil ein
Mensch nicht gleich sein wollte mit seinem Mitmenschen,
jeder ein bisschen besser. In den Köpfen existiert keine
Gleichheit im Anderssein.
Gesetze, wie in Deutschland das Ausländergesetz u.ä., in
der Türkei der Paragraph 301, unterstützen den
Nationalismus und geben denen Recht, die sich berufen
fühlen, im Namen der Nation das Andere auszumerzen. Wenn
vermeintlich das Gesetzt nicht greift, greift eine
aufgebrachte Menge, oder im Falle Hrant Dink, ein
Einzelner zur Selbstjustiz, im Namen dieser Masse und
kann sich der Zustimmung sicher sein. So auch wie sich
türkische Polizisten mit dem Mörder Hrant Dinks
fotografieren ließen.
Der Mensch in einer globalisierten Welt steht vor neuen
Herausforderungen. Es gilt, für sich einen Bezugspunkt
in diesem Großen, Ganzen zu finden. Die Nation, das
eigene Kleine bietet da einen Halt, wo der Einzelne sich
in der Welt zu verlieren droht. Aufgabe ist es, dabei
Toleranz und Akzeptanz gegenüber Anderen zu wahren.
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