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Anfal
Karin Ahrens
Anfal ist der Name für den Genozid an den Kurden in den
Jahren 1986 bis 1988. Die Anfal-Operation wurde
ausgeführt in dem vorwiegend von Kurden bewohnten Gebiet
im Norden des Irak unter dem Regime Saddam Husseins.
Federführend an der Aktion beteiligt war Ali Hasan
al-Majid, ein Cousin Saddam Husseins. Aufgrund der
massiven Einsätze chemischer Kampfmittel wurde Ersterer
Chemie-Ali genannt.
Das Wort Anfal ist einer Sure des Koran entnommen und
bedeutet übersetzt „legitime Beute“. Eine Maßnahme
dieser Operation war die Zerstörung kurdischer Dörfer,
eine weitere die Zerstörung der kurdischen
Landwirtschaft. Die Bewohner der kurdischen Gebiete
wurden in sogenannte Modelldörfer umgesiedelt. Diese
waren so angelegt, dass sie leicht kontrolliert werden
konnten. In diesen Modelldörfern gab es kaum
Arbeitsmöglichkeiten, so dass die Bewohner auf
Hilfeleistungen des Staates angewiesen waren. Eine gut
funktionierende landwirtschaftliche Ökonomie wurde so in
eine abhängige, auf Hilfeleistungen angewiesene
umgewandelt. Den fruchtbaren Boden, der ehemals den
Kurden gehörte, erhielten linientreue Araber. Dieses war
ein weiteres Ziel der Operation Anfal, die Arabisierung
der kurdischen Gebiete.
Amnesty International und Human Rights Watch sprechen
von 182.000 Zivilisten, die bei dieser Operation ums
Leben gekommen sind. In den Dörfern wurden die Menschen
zusammengetrieben und Ali Hasan al-Majid erteilte den
Befehl, alle Männer im Alter zwischen 15 und 70 Jahren
hinzurichten. Allein von dem Stamm der Barzanis wurden
mindestens 5000 Mitglieder deportiert und ermordet.
Viele der Männer sind bis heute verschwunden. Der
Internationale Gerichtshof in Den Haag erkannte diesen
Massenmord an den Kurden als Genozid an.
Aufgrund der massenhaften Verschleppung und Ermordung
von Männern blieben die Frauen allein zurück. In einer
Gesellschaft, die von Männern dominiert wird, bedeutet
das die totale Isolation. Die Frauen, deren Männer
verschwunden sind, können nicht wieder heiraten, bis
ihre Männer offiziell für tot erklärt werden. Um ihren
Lebensunterhalt zu verdienen, arbeiten sie bei Aghas,
größeren Bauern oder schmuggeln. Sie laufen immer
Gefahr, schlecht beleumdet zu sein. In der kurdischen
Gesellschaft benötigt eine Frau männlichen Schutz vor
Anfeindungen, Übergriffen und Verleumdungen. Den haben
sie nicht. Frauen warten auf ihre Männer, Kinder auf
ihre Väter. Sie haben keine andere Wahl.
In die Zeit der Anfal-Operation fällt auch der
Giftgas-Angriff auf die kurdische Stadt Halabja im März
1988. Während dieses Angriffs kamen mindestens 5000
Zivilisten, manche sprechen von 8000 Zivilisten, ums
Leben. Das Gebiet um Halabja und die Stadt blieb viele
Jahre verseucht. Der Einsatz von Giftgas bewirkte noch
Jahre nach dem Angriff Krankheiten der Atemwege und der
Haut sowie genetische Defekte bei Neugeborenen.
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