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Hiner Selîm
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Hiner Saleem
Das Gewehr meines Vaters
Karin Ahrens
ICH HEISSE AZAD SHERO SELIM. Ich bin der Enkel von Selim
Malay. Mein Großvater hatte viel Humor. Er sagte immer,
daß er als Kurde auf die Welt gekommen sei, in einem
freien Land. Dann kamen die Osmanen, und sie sagten zu
meinem Großvater: du bist Osmane, und er wurde Osmane.
Die Türken gingen, und er wurde wieder Kurde, im Reich
von Mahmud, dem König der Kurden. Dann kamen die
Engländer, und mein Großvater wurde Untertan Ihrer
Majestät, der Königin von England, er lernte sogar ein
paar Worte Englisch.
Die Engländer erfanden den Irak, und mein Großvater
wurde Iraker, aber das Geheimnis dieses neuen Wortes hat
er nie durchschaut; stolz darauf, ein Iraker zu sein,
war er bis ans Ende seiner Tage nicht. Seinem Sohn Shero
Selim Malay, meinem Vater erging es nicht anders.
ABER ICH,AZAD,ICH WAR NOCH EIN KIND.
So umreisst Hiner Saleem am Anfang seines Buches „Das
Gewehr meines Vaters“ kurz die Geschichte der Kurden, im
heutigen irakischen Gebiet.
Er berichtet von gezähmten Tauben seines Cousins, von
dem Entkernen von Granatäpfeln, die im Garten seiner
Mutter wachsen. Als LeserIn läßt man sich hineinnehmen
in diese Idylle - und erschrickt. Jäh wird diese
Stimmung zerstört. Milizen töten Bewohner der Stadt in
der Nachbarschaft und setzen Häuser in Brand. Auch die
Familie Azads muss fliehen.
In der Figur Azad Shero Selims schildert Hiner Saleem
das Schicksal der Kurden zu Zeiten des Mustafa Barzani,
dem Vater des heutigen Regionspräsidenten Kurdistans
Masud Barzani. Es ist auch die Zeit, in der sich Saddam
Hussein an die Macht im Irak putschte. Immer wieder muss
die Familie fliehen, auch ins Exil im Iran. Der Vater
war persönlicher Funker Mustafa Barzanis, Azad wollte
auch Widerstandskämpfer sein. Aber er musste flüchten.
Gelangte nach Italien als 17-Jähriger. Aufgrund der
Arabisierung kurdischen Gebiets vermisste er die
kurdische Sprache in der Öffentlichkeit, kurdische Kunst
und kurdische Filme. So wurde er selbst Künstler.
Hiner Saleem wurde 1954 in Akrê im heutigen
Irakisch-Kurdistan geboren. Mit 17 ging er nach Italien,
besuchte dort die Schule. Heute lebt er als Autor und
Filmemacher in Paris, in Frankreich, wo er als
politischer Flüchtling weder Paß noch Wahlrecht besitzt.
1992 drehte er im Untergrund einen Film über das Leben
der Kurden, dieser wurde gezeigt auf dem Filmfestival in
Venedig. 1998 wurde sein erster Spielfilm „Vive la marie...
et la liberation du Kurdistan“ fertiggestellt. Sein
dritter Film „Vodka Lemon“ aus dem Jahr 2003 gewann den
San Marco Preis beim Filmfestival in Venedig. 2005 bekam
Hiner Saleem vom französischen Kultusminister den Preis
„Chevalier des Arts et Lettres“. 2005 gab er auch seine
Memoiren „Das Gewehr meines Vaters“, zuerst auf
Englisch, heraus. Der nächste Kinofilm „Zero“ wurde auf
dem Filmfestival in Cannes gezeigt. Sein letzte Kinofilm
„Dol - Tal der Trommeln“ war auf der Berlinale zu sehen.
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